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29.06.2026 · KI · ca. 4 Min. Lesezeit

Zwischen Billionen-Wetten und dem stochastischen Papagei

Warum der KI-Hype zwischen AGI-Versprechen, Kreislauffinanzierung und stochastischen Papageien mehr Skepsis braucht als Superlative.

Der KI-Boom lebt von einer gewaltigen Wette: Tech-Konzerne verkaufen generative Modelle als Vorboten einer allgemeinen künstlichen Intelligenz, während Billionen durch Rechenzentren, Chips und Cloud-Verträge zirkulieren.

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Ein Bild eines Server-Racks

Wir befinden uns mitten in einer technologischen Revolution. Die künstliche Intelligenz ist da und verspricht uns eine florierende Zukunft, in der Maschinen die Arbeit für uns erledigen.

Doch während die Politik davon träumt in Sachen KI führend zu sein und Wirtschaftsgrössen die wirkmächtigste Technologie aller Zeiten heraufbeschwören, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Was ist dran am Hype, und wie wollen die Tech-Konzerne mit einer Technologie, die eigentlich nur rechnet, jemals profitabel werden?

Die Magie, die keine ist: Der Eliza-Effekt

Bevor wir über Geld sprechen, müssen wir verstehen, was KI wirklich ist. Der Begriff Intelligenz ist nämlich irreführend. Heutige generative KI wie ChatGPT oder Gemini sind im Grunde stochastische Papageien. Sie verstehen nichts, sie fühlen nichts und sie haben kein Bild von der Welt. Was sie stattdessen tun, ist reine Mathematik: Sie berechnen auf Basis von Milliarden Texten die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Buchstabe oder ein Wort auf das nächste folgt.

Dass wir diesen Maschinen dennoch menschliche Eigenschaften und echtes Verständnis zuschreiben, nennen Experten den Eliza-Effekt: Wir projizieren Gefühle und Intellekt auf ein Programm, das eigentlich nur eine sehr aufwendige Wahrscheinlichkeitsrechnung betreibt.

Das Billionen-Versprechen: Die Wette auf AGI

Um die astronomischen Summen zu rechtfertigen, die derzeit in die Entwicklung fliessen, brauchen die Anbieter eine gigantische Vision. Sam Altman, der Chef von OpenAI, liefert diese: Er verspricht die Allgemeine Künstliche Intelligenz. Eine KI, die dem Menschen in allem überlegen ist und Probleme wie Krebs, den Klimawandel oder Armut lösen soll.

Doch diese Vision hat einen Preis. Altman schätzt, dass er bis zum Jahr 2033 etwa 1.4 Billionen Dollar benötigt. Das ist eine Summe, die historisch absolut beispiellos ist und fast der jährlichen Wirtschaftsleistung aller skandinavischen Länder entspricht.

Kritiker und seriöse Forscher bezweifeln jedoch, dass die aktuelle Technologie der Buchstaben-Wahrscheinlichkeitsrechnung jemals zu einer echten AGI führen wird.

Die grosse Kreislauffinanzierung

Wie finanziert man eine 1.4-Billionen-Dollar-Wette? Derzeit geschieht dies vor allem durch ein komplexes Geflecht aus gegenseitigen Investitionen, das Kritiker als Kreislauffinanzierung bezeichnen. Es ist eine Art Win-win-win-Situation für alle Beteiligten:

  • Microsoft investiert Milliarden in den Bau von Rechenzentren.
  • In diesen Zentren trainiert OpenAI seine Modelle.
  • Dafür werden die Rechenchips von Nvidia eingesetzt.

Diese Unternehmen schliessen permanent Verträge untereinander ab, wodurch die Umsätze auf dem Papier steigen. Das Geld wandert oft nur von einer Hand in die nächste, während alle von Wachstum sprechen. Doch die tatsächliche Nachfrage kommt derzeit eher von den Chip-Herstellern und Betreibern der Rechenzentren als von Endusern.

Die verzweifelte Suche nach Profit, Trotz eines geschätzten Umsatzes von 20 Milliarden Dollar für OpenAI im Jahr 2025, bleibt das Problem der Rentabilität ungelöst.

Die bisherigen Ansätze wirken laut Beobachtern beinahe verzweifelt:

  • Subscriptions & Tokens: Die Hoffnung, dass genug User monatlich für KI-Dienste zahlen, scheint bisher nicht voll aufzugehen.
  • Werbung: Der klassische letzte Ausweg des Internets wird bereits in Erwägung gezogen.
  • Hype-Zyklen: Man hält die Blase durch immer neue Versprechungen am Leben, um weitere Investoren anzulocken.

Wenn die Blase platzt

Das gesamte Kartenhaus der aktuellen Börsenwerte hängt massiv an der KI-Fantasie. Wenn die hohen Erwartungen an die Produktivität der KI nicht erfüllt werden—und erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt weit weniger revolutionär sind als behauptet—könnte die Blase platzen. Ein solcher Absturz würde nicht nur die Tech-Konzerne treffen, sondern könnte die weltweiten Finanzmärkte ins Wanken bringen.

Digitale Souveränität statt Grössenwahn

Die Zukunft der KI sollte nicht allein den Tech-Bros aus dem Silicon Valley und ihren grössenwahnsinnigen Visionen überlassen werden. Während KI in spezifischen Bereichen wie der Medizin oder der Wettervorhersage extrem nützlich sein kann, ist der Traum von der superintelligenten Wollmilchsau oft nur PR-Maschinerie.

Für uns in Europa bedeutet das: Wir müssen digital souverän werden. Anstatt uns in Abhängigkeit von Algorithmen zu begeben, die wir nicht kontrollieren können, sollten wir eigene Systeme entwickeln und die Kontrolle über unsere sensiblen Daten behalten. Wir müssen uns nicht überrollen lassen. Die Zukunft steht noch nicht fest, wir können sie selbst gestalten. Bleiben wir also skeptisch gegenüber Superlativen, oder anders: Bleiben wir unberechenbar.